Augentraining
Die Augen sind der Spiegel der Seele. Augen können sprechen, sie verraten unsere Gefühle und sie schaffen den Kontakt zu unserer Umwelt. Keine Frage, Sie sollen immer natürlich schön glänzen, und die zarte Haut um die Augen herum sollte mit einer reichhaltigen Anti Aging Creme liebevoll gepflegt werden. Aber unsere Augen werden nicht nur gesehen, sie sehen natürlich auch selbst. Der Sehvorgang an sich ist ein komplexer Ablauf zwischen Linse und Gehirn. Die Augen sind auch die Einfallstore für das Licht, das für unseren Schlaf Wach Rhythmus, unseren Appetit und unseren Hormonhaushalt eine große Rolle spielt.
Der New Yorker Augenarzt William Bates kam um die Jahrhundertwende, aufgrund seiner Erfahrungen in der Praxis, zu einem anderen Verständnis der Augenfunktionen als seine Kollegen. Er lehnte die rein mechanische Auffassung ab, wonach das Auge sich lediglich an veränderte Lichtverhältnisse adaptieren, und Nah- und Ferneinstellung finden müsse. Bates richtete sein Augenmerk auf die vielen winzigen Muskeln, die rund um den Augapfel angeordnet sind. Seiner Meinung nach hängt gutes Sehen entscheidend davon ab, wie gut diese Muskeln funktionieren.
Die Brille zum Beispiel verglich Bates mit einem Gipsverband um ein gebrochenes Bein. Die Muskeln bilden sich zurück, weil sie sich nicht bewegen müssen. Wird die Brille abgenommen, ist das Sehen noch schlechter als zuvor. Brille weg und Augen auf, heißt demnach auch die bekannte Kurzformel, nach der sich die Augenübungen von Bates richten. Doch sein Erfolg hielt sich in Grenzen, weil allein durch Bodybuilding der Augenmuskeln nicht alle Sehprobleme behoben werden können. Eine andere Amerikanerin, Lisette Scholl, hat das Konzept entscheidend erweitert, indem sie auf den großen Einfluss von Psyche und Emotionen auf den Sehvorgang aufmerksam machte. Störungen und Blockaden im seelischen Bereich führen zu Verspannungen der Augenmuskeln selber, aber auch, und das ist allgemein bekannt, der Schulter- und Nackenmuskulatur.
Dies hat eine schlechtere Durchblutung des ganzen Gesichts- und Kopfbereichs zur Folge, was wiederum das Sehen beeinträchtigt. Die von Lisette Scholl entwickelten Übungen beziehen sich deshalb nicht allein auf die Augen, sondern auf den ganzen Körper. Ziel ist es, Nacken- und Schulterpartien zu lockern und zu entspannen, den Blutkreislauf anzuregen, das Energieniveau zu steigern, um Seele und Körper zu entlasten. Hierbei kombiniert man Atemübungen mit Yoga und visualisierendem Heilen. Wunder darf man allerdings keine erwarten, denn um das Sehen nachhaltig zu verbessern, braucht es viel Geduld und Selbstdisziplin. Die Übungen müssen über Monate gemacht werden. Hilfreich sind sie jedoch auch für das Entspannen und Revitalisieren müder Augen.
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