Das männliche Gesicht der Depression
Das Wort ?Depression? stammt aus dem Lateinischen ?deprimere? (niederdrücken). Im Mittelalter glaubten religiöse Führer, dass die Depression durch eine Besessenheit böser Geister ausgelöst wird. Entsprechend gestalteten sich die damaligen Behandlungsmöglichkeiten: Auspeitschung, Aderlass, Exorzismus und lindernde Bäder. Vor mehr als 100 Jahren beschrieb der große Forscher Charles Darwin einen bestimmten Menschentyp als ?charakteristisch? für die Depression: ?Die Augenlider fallen, der Kopf sinkt über den zusammengezogenen Brustkorb, Lippen, Wangen und Unterkiefer sinken unter ihrem eigenen Gewicht nach unten?. Depressivität ist aber nicht nur ein augenfälliges Erscheinungsbild, sondern auch ein seelischer Stimmungszustand und darüber hinaus eine echte körperliche Erkrankung. Männer sind zwar statistisch gesehen nicht so häufig depressiv wie Frauen, begehen aber häufiger Selbstmord.
Dieser scheinbare Widerspruch dürfte vor allem darauf beruhen, dass Depressionen bei Männern oft nicht erkannt und entsprechend behandelt werden. Die Symptome der Depression sind eine gedrückte Stimmungslage, vermindertes Interesse an den üblichen Aktivitäten, eine Veränderung des Körpergewichts, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen, Zurückgezogenheit und Energieverlust sowie das Gefühl der Wertlosigkeit. So verfallen viele Männer, die Erektionsprobleme haben, in eine Depression, wenn sie ihre Impotenz (medizinischer Ausdruck: erektile Dysfunktion) nicht durch Potenzmittel wie Viagra Generika oder ärztliche Betreuung behandeln lassen.
Eine unbehandelte Depression führt im weiteren Verlauf auch zu Entscheidungsschwäche, Selbstmordgedanken oder sogar Selbstmordversuchen. Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen nicht nur hinsichtlich der Symptome und der Symptomqualität: Auch bei der Inanspruchnahme von Hilfe unterscheidet sich das Verhalten des Mannes zu dem der Frau. Die von Männern verlangten Eigenschaften, Dominanz, Mut, Erfolg, Rationalität und emotionale Kontrolle, lassen das Eingestehen von psychischem ?Versagen? nicht zu. Männliche Hilfsbedürftigkeit wird als Verstoß gegen das Rollenverständnis und damit als Bedrohung der männlichen Identität erlebt. Eine Konsequenz daraus ist, dass ärztliche und besonders psychologische Hilfe nur sehr selten in Anspruch genommen wird, da für Männer emotionale Probleme keinen Grund zur Hilfe darstellen. Dieser Unterschied verdeutlicht sich auch in der Tatsache, dass zwar 75% der Selbstmorde von Männern begangen werden, aber 75% der Anrufer bei Suizidnotrufen Frauen sind.
Nichtsdestotrotz ist die depressive Stimmung auch beim Mann das Leitsystem der Depression. Als erstes Zeichen ist häufig eine erhöhte Reizbarkeit zu diagnostizieren. Sie äußert sich in einer verminderten Impulskontrolle: Ärger und Aggressivität werden vermehrt ausgelebt, dazu gesellt sich das bedrückende Gefühl des Unwohlseins. In der Folge kommt es zu familiären Konflikten und auch zu antisozialem Verhalten. Aber auch Angst- Panikattacken, Schlafstörungen und Burn-out-Syndrom sind eine häufige Erscheinung. Andere, für eine männliche Depression besonders charakteristische Symptome sind sehr oft eine negative Zukunftserwartung, Hoffnungslosigkeit oder auch ausgeprägte Schuldgefühle.
Tags: Depression, Männer, Hilfe
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