Der Rasierer - Ausdruck der Körperhygiene
Im Gegensatz zu vielen Beispielen in der Tierwelt gilt bei der Gattung Mensch weithin, dass die Frau das schöne Geschlecht sei. Der Mann, der sich zum Pfau aufspielt, wird eher milde belächelt oder gar verhöhnt. Ein einfacher soziokultureller Test belegt diese Tatsache. Fährt man an einem Freitagnachmittag an einer Kirche vorbei und es drängen sich dort Menschenmassen im Eingangsbereich und auf dem Vorplatz, so hilft selten der Blick auf die anwesenden Männer, um zu erkennen, ob es sich um eine Hochzeit oder eine Beerdigung handelt. Da hilft stattdessen der Blick auf die Bekleidung der Frauen. Ist sie dunkel, überwiegend hoch geschlossen und trist, so handelt es sich meist um eine Beerdigung. Die exorbitant bunte Abendgarderobe, die lediglich von einigen "kurzen Schwarzen" aufgelockert wird, weist dagegen eine Hochzeit aus.
Auch bei der Körperpflege und –kosmetik sagt man den Frauen ein größeres Engagement nach als den Männern, auch wenn Statistiken belegen, dass Männer täglich im Durchschnitt etwas mehr Zeit im Bad verbringen als Frauen. Ein Vergleich in dieser Angelegenheit hinkt fast immer. Denn die Prämissen liegen bei Männern und Frauen auf jeweils anderen Aspekten der morgendlichen Toilette. Frauen verwenden relativ mehr Zeit für das Anlegen von Körperschmuck im Sinne von Make-up, Haarverschönerung und Geschmeide.
Bei vielen Männern dagegen setzt sich die Frühzeit in der Nasszelle in der Regel aus zwei bestimmenden Elementen zusammen. Zuerst erfolgt oft die Darmentleerung unter gleichzeitiger Füllung des Oberstübchens mit den neuesten Weltbewegungen auf dem grünen Rasen. Danach geht das Kratzen und Schaben mit dem Rasierer im Gesicht los (Rasur: lat. für Schaben, Kratzen).
Hier lassen sich durchaus tiefenpsychologische Fragestellungen ableiten. Während Frauen bei der Körperkosmetik im Gesicht vor allem Auftragen, kratzen Männer ab. Übrigens tun es beide mit dem Bewusstsein, dass der Arbeitsaufwand eigentlich kaum lohnt, da schon wenige Stunden später das Ergebnis von den Tagesereignissen zunichte gemacht wird: Das Make-up verblasst – der Bart sprießt. Wer würde schon ein Haus bauen, wenn es nur eine so kurze Standzeit hätte? Wichtiger als die dauerhafte Betriebssicherheit der Körperkosmetik ist allerdings oftmals der intime und ungestörte Kontakt mit dem eigenen Erscheinungsbild und die Macht über das, was andere zu Gesicht bekommen.
Tags: Frauen, Gesicht, Männern
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