Integration neuer Mitarbeiter durch Sport
Der Eintritt in das Berufsleben ist für die meisten Menschen ein ganz besonderer Schritt. Viele fürchten jedoch im Unternehmen keinen Anschluss zu finden und fühlen sich, gerade in der Anfangsphase, auf sich allein gestellt. Aus diesem Grund empfehlen Psychologen, Pädagogen und Sportwissenschaftler die Integration neuer Mitarbeiter durch Sport.
Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis wird der Unternehmenseintritt im allgemeinen als sehr bedeutsam eingestuft, da dieser entscheidend die zukünftigen Einstellungen und Verhaltensweisen im Unternehmen prägt (Klein & Weaver, 2000, The effectiveness of an organizational-level training programm in the socialization of new hires).
Es ist jedoch ernüchternd festzustellen, dass bis jetzt noch keine Studie, die sich explizit mit den sozialintegrierenden Wirkungen von physischen Aktivitätsprogrammen in Organisationen, befasst, erschienen ist. Somit kursieren in diesem Gebiet viele unüberprüfte Hypothesen zu sozialen Einflüssen wie beispielsweise Verbesserung des Gruppenzusammenhalts oder eine intensivere Kommunikation der Mitarbeiter untereinander.
Da Sport in der A&O-Psychologie bisher nur als unspezifische Maßnahme geführt wird gibt es für die soziale Integration durch Sport in diesem Forschungsgebiet noch keine klaren Aussagen.
Die Sportwissenschaft stellt, wie sie es gerne macht, eine Fülle von Hypothesen und subjektiven Theorien zum sozialintegrierenden Potenzial von physischen Aktivitätsprogrammen im Betrieb auf, die alle von einer integrativen Wirkung ausgehen, ohne sie jedoch einer gründlichen Falsifikation zu unterziehen (Mess & Woll, 2009, Sport als Medium zur sozialen Integration neuer Mitarbeiter in Betrieben?).
Schon 1985 hielten Adolph und Böck (Sport als Integrationsmöglichkeit ausländischer Mitbürger, S. 61) fest, ?dass es den Sport als einheitliches Phänomen nicht gibt und von daher auch keine einheitlichen Sozialisationswirkungen erwartet werden können?. Diese Richtung untermauert auch Hoffmann (2002, Sozialintegrative Funktionen des Sports), der zu dem Schluss kommt, dass Sport nicht per se integrativ oder desintegrativ wirkt, sondern die Rahmenbedingungen und Ausrichtungen der sportlichen Aktivität entscheidend sind, zu welchem Fazit man in dieser Frage gelangt.
Liest man jedoch aktuelle Arbeiten zum Thema Integration in Betrieben so erkennt man auch, dass soziale Maßnahmen einen großen Einfluss auf den Outcome beispielsweise im Hinblick auf Arbeitszufriedenheit oder organisationales Commitment haben (Cable & Parsons, 2001, Sozialisation tactics and person-organization fit). Zudem sind aus der Migranten- und Behindertenforschung umfangreiche Integrationsleistungen durch Sport nachgewiesen (Wegner, 2001, Sport und Behinderung). Diese Ergebnisse könnten möglicherweise auch auf die Integration in der Arbeitswelt übertragen werden und dabei vor allem auf Bevölkerungsgruppen wie Aus- und Übersiedler und ausländische Mitbürger. Dürrwächter (1966, Sport im Betrieb als betriebswirtschaftliches und unternehmenspolitisches Problem, S.130) führt an, dass ?die beim gemeinsamen Sport relativ leicht entstehenden menschlichen Kontakte für die neuen Mitarbeiter eine wertvolle Hilfe darstellen, sich schneller und besser in ihre neue Arbeitsumgebung einzuleben?. Als Folge könnte dies die betriebliche Anonymität abbauen und zur Bildung von informellen Gruppen beitragen, was letztendlich zu einer Auflockerung der Arbeit und einem verbesserten Betriebsklima führen könnte.
Letztendlich kann man festhalten, dass der Aufbau von einem sozialen Netzwerk beziehungsweise von Freundschaften unter Betriebsangehörigen das primäre Ziel bei der Integration neuer Mitarbeitern darstellen sollte. Entschließt man sich ein sozialintegrierendes Aktivitätsprogramm durchzuführen, so sollte dies aus vielfältigen Bewegungs- und Erlebnissituationen mit hohen kommunikativen und interagierenden Anteilen aller Akteure bestehen. Dies könnte zum Beispiel durch Sportspiele, Klettern, Wassersport, Team- und Partneraufgaben realisiert werden (Mess & Woll, 2009, Sport als Medium zur sozialen Integration neuer Mitarbeiter in Betrieben?). Bei der Interventionsdauer kann man sich an den theoretischen Vorgaben der arbeitspsychologischen Sozialisationsforschung orientieren, die vorgeben, ein Aktivitätsprogramm einmal wöchentlich (90-120 Minuten) über 3 bis 6 Monate durchzuführen.
Neben der theoretischen Frage, ob solche physischen Aktivitätsprogramme wirklich zu dem gewünschten Erfolg führen, kommen natürliche für einen Betrieb noch die praxisrelevanten Fragen hinzu. Diese könnten beispielsweise beinhalten wo der Sport denn betrieben wird. Werden eigene Hallen oder Räume zur Verfügung gestellt oder werden diese angemietet? Stellt man eigene Trainer ein oder werden selbständige Trainer angemietet? Welche und wie viele Geräte werden angeschafft? Wird die Sportbekleidung und Fitness-Bekleidung vom Unternehmen gestellt oder müssen diese die Angestellten selbst bezahlen? Diese Fragen weisen wohl schon darauf hin, dass es für ein Unternehmen ein großer Schritt sein kann (sowohl in positiver als auch im Hinblick auf die Kosten), die Integration neuer Mitarbeiter durch physische Aktivitätsprogramme durchzusetzen.
Tags: Sport, Integration, Mitarbeiter
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